Reisetagebuch Brasilien
"Europa hat unermeßlich mehr Tradition und weniger Zukunft, Brasilien weniger Vergangenheit und mehr Zukunft!" Stefan Zweig
2006/03/25
Weiter auf dem Weg nach Süden, an der Küste entlang, war nun Porto de Galinhas (Hühnchenhafen) unsere nächste Station. Typisch für die hiesige Küste sind die ihr vorgelagerten Riffe ("recife" auf portugisiesch), die einerseits für ruhige, idyllische Strände an der Küste und andererseits für spektakuläre natürliche Schwimmbäder in den Riffen selbst sorgen. Seinen Namen erhielt der Ort übrigens in der Mitte des 19.Jh., als die Brasilianer an dieser Stelle, nachdem die Engländer den Sklavenhandel verboten hatten, weiter Schiffe mit afrikanischen Negersklaven anlandeten. Diese wurden zum Zwecke des Frieden mit der Obrigkeit allerdings als Hühnchen, Galinhas, deklariert und gehandelt.

Strand bei Porto de Galinhas - 22.03.2006
Aus der Hauptstadt Brasilia kommend, landete das Flugzeug um kurz vor Mitternacht in Recife. Im nächtlichen Anflug offenbarte sich uns die Millionenstadt als ein Lichtermeer unermesslichen Ausmasses - von roten Lichtern befahrene Avenuen und angestrahlte riesige Wolkenkratzer liessen vergessen, dass wir im Nordosten, einem der ältesten und heute ärmeren Teil Brasiliens angelangt waren.
In noch äquatorialerer Tropenhitze schauten wir uns innerhalb der nächsten beiden Tage Olinda, die kleinere Schwesterstadt und die Altstadt von Recife an. In kleinen, geschäftigen Gassen zwischen restaurierter und verfallener Kolonialarchitektur konnte man bei so manchem atemberaubenden Blick aus der Höhe auf den Altlantik den Anfang Brasiliens riechen.
Foto: Die Altstadt von Recife, Pernambuco - 21.03.2006
2006/03/20
Nach zwei Tagen auf dem Bauernhof war Brasilia die nächste Station für uns. Von hier wollten wir nach Recife, Pernambuco in den Nordosten Brasilien fliegen. Brasilia wurde in den 50er Jahren am Reissbrett von Brasiliens berühmtesten Architekten Oscar Niemeyer entworfen und Symbol des modernen Brasiliens werden. Die Stadt ist extrem weitläufig, es gibt riesige freie Grünflächen und Plätze - ein Gigantismus, der erst auf den zweiten und dritten Blick die beabsichtigte Symbolik verständlich macht. Sehenswert ist jedenfalls auch der Flughafen - eine moderne Architektur die in ihrer Offenheit den klimatischen Umständen einer Stadt in den Tropen Rechnung trägt.

Aeroporto Brasilia, 18.03.2006
Der Serrado ist die für Goias typische Landschaft. Jetzt, gegen Ende der Regenzeit üppig grün gibt sich die Vegetation am Ende der Trockenzeit im November gelb und dürr. Nach Marinas Auskunft hatten wir riesiges Glück, bedeckte Tage zu haben. Schiene die Sonne, wären 40grad+ der Normalfall für diese Gegend. So konnten wir sie bei kühlen 30Grad geniessen...

Blick von der Terrasse des Hofs in den Serrado. Im Hintergund eine beeindruckende Hügellandschaft, hier vernebelt und nur im Ansatz zu erkennen. 17.03.2006
Auf dem Bauernhof 200km nördlich von Goiania betreibt Marinas Vater Viehzucht. Die weissen Rinder sind sehr zutraulich und vor allem neugierig. Sobald wir in ihre Nähe kamen, waren wir schon von ihnen umringt. Ganz in der Nähe hat Marinas Tante ebenfalls einen Hof, auf dem wir am Abend ihre Tante und Oma trafen.

7000 Rinder..., 16.03.2006
Von Porto Ferreira 800km und 12h im Nachtbus weiter nach Norden, nach Goiania, in die Hauptstadt des Bundesstaates Goias. Die Stadt wurde 1933 gegründet und für 50.000 Einwohner konzipiert. Heute leben dort 1,5 Millionen Cowboys in einer der modernsten Städte Brasiliens, die auch als der Garten Brasiliens bezeichnet wird. Goiania war für uns Ausgangspunkt eines Ausflugs zum Bauernhof von Marinas Vater. Den einzigen Tag, den wir in Goiania hatten, haben wir u.a. mit einer für viele Grossstadtbrasilianer typischen Beschäftigung verbracht: Kino in einem der riesigen "Shoppings", die eine klimatisierte und abwechslungsreiche Oase inmitten der Hitze des Serrado darstellen.

Goiania, 15.03.2006






